in iTunes abonnieren... Heute ist der dritte Advent, ich hoffe Ihr habt ihn alle recht gemütlich verbracht! Ich hab heute mal wieder in der Kirche vorgelesen, das macht immer riesigen Spaß. Heute gab es sogar ein großes Lob. Normalerweise beschwert sich immer irgendwer, es sei zu leise, zu schnell oder sonstwas gewesen, aber heute hat mir meine ehemalige Musiklehrerin gesagt, es sei alles super gewesen und sie fänd es richtig gut, wie ich das mache. Danke! Gelesen habe ich heute Jesaja 40, Vers 1-11 und Lukas 3, Vers 1-14. Den Predigttext habe ich auch wieder bekommen, den schreibe ich mal als Kommentar rein, damit es nicht so lang wird hier oben. War aber eine schöne Predigt, fand ich. Was meint Ihr?


Hier nun der Predigttext von Frau Pastorin Sabine Krüger:
Liebe Gemeinde,
unser Predigttext handelt von Johannes dem Täufer. Nach ihm wurde unsere Kirche benannt.
Johannes war ein unbequemer Zeitgenosse.
Er lief komisch rum, trug kratziges Kamelhaar und aß Heuschrecken und wilden Honig.
Er lebte in der Wüste und nannte seine Zuhörer „Schlangenbrut“.
Es war ihm egal, was andere von ihm dachten – unbeirrbar ging er seinen Weg und verkündigte den Menschen, dass der Messias kommen werde.
Manchmal ist es gut, sich etwas sagen zu lassen.
Auch von unbequemen Menschen, von denen, die gegen den Strom schwimmen und nicht das tun, was die breite Masse macht.
Von Johannes wird in unserem Predigttext nun gesagt:
Als der Kaiser Tiberius herrschte und Pontius Pilatus Statthalter in Judäa war, da geschah das Wort Gottes zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste.
Und dieses Wort Gottes, das ihm geschah, veranlasst Johannes dann folgendes zu verkünden:
»Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige eben! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden. Und alle Menschen werden den Heiland Gottes sehen.«
Über diesen Text möchte ich nun mit Ihnen nachdenken, und ich möchte das in 3 Schritten tun.
1. Die Wüste
2. Der Weg
3. Der heilige Raum
1. Die Wüste
Es ist merkwürdig, was in unserem Predigttext steht. Damals, zur Zeit des Kaisers Tiberius – genau zu dieser Zeit geschah das Wort Gottes.
Es heißt nicht: damals hörte Johannes das Wort Gottes,
oder damals redete Gott mit ihm –
nein, das Wort Gottes geschah.
Und es geschah nicht irgendwo – sondern in der Wüste.
Was kann das bedeuten?
Johannes hat sich ganz bewusst in die Wüste zurückgezogen, weit entfernt von den vollen, lärmenden und luxuriösen Städten.
In der Stille, in der Einöde wollte er sich konzentrieren, zu sich selber finden und vor allem wollte er sich dort auf Gottes Ankunft vorbereiten.
Auch wir kennen die Wüste – oftmals befinden wir uns dort ungewollt.
Es gibt sie immer wieder, diese Wüstenzeiten in unserem Leben.
Die Wüste – das ist unsere innere Leere, die wir oftmals spüren.
So als ob man vom wahren Leben abschnitten ist. Wenn alles plötzlich schwer fällt und besonders anstrengend erscheint, weil die innere Lebendigkeit fehlt, die Antriebskraft und die Freude.
Die innere Wüste, das kann eine Zeit der Hoffnungslosigkeit oder der Einsamkeit sein.
Vieles scheint so sinnlos oder verwirrend, weil man nicht mehr weiter weiß.
Der Weg vor uns liegt dann nur noch im Dunkel,
Ausweglosigkeit bestimmt unser Grundgefühl,
und wir werden getrieben von innerer Unruhe, von Sorgen und Ängsten.
Wüstenzeiten werden auch in Klöstern angeboten.
Das sind besondere Zeiten, in denen man eine Woche lang schweigt – manchmal sogar noch länger.
Wer so eine Schweigewoche schon einmal mitgemacht hat, der weiß wie viel innerer Ballast in dieser Abgeschiedenheit in einem hochsteigt.
Die Wüste des Schweigens, des Nicht-Miteinander-Kommunizierens macht etwas mit einem.
Es kommen alte Verletzungen hoch, Verdrängtes und Unterdrücktes – all das, was in uns noch nicht aufgearbeitet ist.
All das, was noch offen ist und auf Antwort oder auf Beendung wartet.
Die Wüste ist mitunter ein schmerzlicher Ort.
Denn es ist der Ort, an dem wir schonungslos mit uns und unserer inneren Wirklichkeit konfrontiert werden.
Und genau hier – an diesem schmerzlichen Ort – will Gottes Wort uns erreichen.
Nicht auf der Straße unseres Erfolges, oder unserer Leistungen. Denn dann sind wir meist gar nicht offen für die Stimme Gottes, sondern hören nun uns selbst.
In unserer eigenen inneren Wüste, dort will das Wort Gottes in uns geschehen.
Nur wenn wir es dort, an unserem inneren Ort der Hoffnungslosigkeit hinein lassen, dann können wir verwandelt werden.
Nur dann kann das Wunder des Advents – die Ankunft Christi in uns auch Wirklichkeit werden.
2. Der Weg
In unserer inneren Wüste ruft Johannes uns zu: Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige eben!
Diese Worte klingen in mir nach.
Sie stellen mich in Frage.
Wo ist denn in mir eigentlich der Weg für Gott?
Der Weg, der zu meinem Herzen führt?
Wie steht es denn mit meinem Herzen, liebe Gemeinde?
Lebe ich noch im Einklang mit mir selbst?
Habe ich das Gefühl, das Gottes Stimme klar zu mir dringt?
Dass seine Nähe, sein Friede mein Herz erfüllt?
Oder hat sich schon Lähmung und Dunkelheit auf meinen Glauben gelegt?
Müdigkeit, oder Pflichtgefühl?
Kann ich überhaupt noch beten?
Oder sind meine Kanäle verstopft,
die Leitungen gekappt,
und das Herz verkrustet – ja versteinert?
Johannes der Täufer will uns mit seinem Aufruf wachrütteln, er lädt uns ein, ihm auf dem Weg durch die Wüste zu folgen und sie ganz bewusst in uns wahrzunehmen, so dass es ein Weg zur Umkehr werden kann.
Ein Weg, um innerlich aufzuräumen,
um Gott abzugeben, was da quer liegt in uns.
Vielleicht um Vergebung zu bitten für etwas, was da auf uns lastet,
was uns bedrückt und schmerzt.
Es ist ein Weg, auf dem wir die Berge unserer Ich-Bezogenheit niedriger machen können,
und die Hügel unserer Lieblosigkeit und Kälte – sie können eingeebnet werden.
Die Täler unseres inneren Mangels und unserer Sehnsucht nach innerem Frieden und Lebendigkeit, sie können erhöht und gefüllt
werden.
Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige eben!
Dieser Weg durch die innere Wüste, dieser Weg der Umkehr ist eine Herzenshaltung, liebe Gemeinde.
Johannes ermutigt uns, diese Wüste auszuhalten.
Er ermutigt uns gerade in dieser Zeit immer wieder das Gespräch mit Gott zu suchen.
Zeit mit ihm zu verbringen.
Das Herz zu öffnen,
und Gefühle fließen zu lassen.
Und sich selbst an ihn zu verschenken.
So wird der Weg in uns bereitet.
3. Der heilige Raum
Dieser Weg – liebe Gemeinde – führt durch unser geöffnetes Herz.
Dies ist der Ort, an dem Gottes Wort in uns geschieht.
Wenn der Weg bereitet wird,
wenn das Wort Gottes in uns geschieht,
wenn seine Kraft in uns spürbar wird,
dann können wir wieder durchatmen,
dann lichtet sich der Nebel, der uns umgibt.
Advent – das bedeutet Ankunft.
Christus selbst kommt zu uns –
er kommt in uns an.
Und dann wird unser Herz selbst zu einem heiligen Raum, weil Christi Liebe uns erfüllt.
Und das kann man spüren.
Wenn unser Herzensraum in uns lebendig wird, weil Christi Gegenwart uns trägt, dann werden wir innerlich verändert.
In uns entsteht ein heiliger Raum, eine Kraft, die in uns wohnt und aus der wir leben können, jeden Tag neu.
Wir können dem Leben mit all seinen Höhen und Tiefen entgegen treten, weil wir wissen, dass wir nicht alleine sind.
Dass da jemand ist, der uns hält.
Liebe Gemeinde, der Aufruf unseres Namensträger, die Worte des Johannes wollen uns erinnern, dass der Advent nicht nur ein warme und kuschelige Zeit der Kerzen und der Lebkuchen ist – die natürlich auch dazu gehören.
Der Advent ist die Zeit der Einkehr.
Es ist die Zeit der Wegbereitung.
Die Zeit auch der stillen Momente – in all dem Trubel.
Und die Zeit des Gebets.
Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige eben!
Und dann macht der Glaube wieder Freude.
Die Dinge leuchten wieder,
Wir bekommen neue Ausstrahlung,
das Leben erhält eine neue Klarheit und wir spüren einen tiefen Frieden.
Einen Frieden, der uns trägt.
Einen Frieden, der höher ist, als alle menschliche Vernunft,
einen Frieden, der unsere Herzen und Sinne erfüllt, durch Jesus Christus.
Amen.